NEUROPATHISCHE SCHMERZEN
Neuropathische Schmerzen betreffen sowohl das zent rale (= Gehirn und Rückenmark betreffende) als auch das periphere (= nicht im Gehirn oder Rückenmark befindliche) Nervensystem.
Bei neuropathische n Schmerzen ist das schmerzleitende System selbst gestört oder geschädigt, es liegt sozusagen ein „Ner veneigenschmerz“ vor.
Neuropathische Schmerzen sind dadurch gekennzeichnet, daß der Ursprung der Entstehung ein anderer ist, als das Gebiet, in dem die Schmerzen wahrgenommen werden. Daher spricht man auch von "fortgeleiteten" Schmerzen (H.-J. Willenbrink 1999).
Neuropathische Schmerzen sind in der Regel chronische (= länger als sechs Monate anhaltende) Schmerzen. Sie können verschiedene Ursachen haben:
Mechanisch schädigende Einwirkungen (Traumen) auf den Nerv.
Metabol ische (= stoffwechselbedingte) Störungen oder Schädigungen von efferenten (= vom Zentrum zur Oberfläche leitende) Nerven.
Nervenschädigung oder -störung infolge einer Virusinfektion
Nervendurchtrennung z.B. im Rahmen einer Amputation.
Zent rale (= das Rückenmark / Gehirn betreffende) Störungen oder Schädigungen.
Nachstehend werden entsprechend der aufgeführten Ursachen typische Krankheiten beschrieben und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
1) Mechanische Schädigung:
Nach einer
Nervenverletzung kann es zu
einer Kausalgie, neuerdings auch als
CRPS Typ II (komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ II) bezeichnet,
kommen.
Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch qualvolle, glühende
Brennschmerzen der betroffenen
Gliedmaße, auslösbar oder verstärkt
schon durch leiseste
Berührung ((evtl. auch entfernter Körperstellen (Synästhesalg
ie)),
durch optische oder akustische Reize, Trockenheit (Xerosalg
ie), Wärme,
Affekte oder bloße Schmerzvorstellung (Sympsychalg
ie). Es liegen
neuropathische Schmerzen vor.
Meist bestehen
ferner Störungen der
Durchblutung
und der Hauttrophik (= Ernährungs-/Wachstumszustand der Haut).
Die Schmerzausbreitung ist unabhängig vom Innervationsgebiet
(= Versorgungsgebiet eines
Ner
ven),
erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige
Gliedmaßen
(Alloparalg
ie). Im
chronifizierten Stadium sind wiederholte Blockaden
(= Betäubungen)
des betroffenen Nervs mit einem langwirkenden Betäubungsmittel hilfreich,
optimal sind kontinuierliche Blockaden mit Katheter
(= eingepflanztem dünnen Kunststoffschlauch).
Letztgenannte Maßnahme sollte aber nur stationär (Schmerzkliniken) durchgeführt
werden.
2) Metabol
ische (=
stoffwechselbedingte) Störungen
oder Schädigungen verursachen neuropathische Schmerzen bei der
Polyneuropathie.
In der Praxis dominieren mit je einem Drittel der Fälle die alkohol
ische
und die diabet
ische
Genese (= Entstehung) (Neundörfer
1988). In unklaren Fällen ist vor allem an exotoxische
(= von außen zugeführte Gifte betreffend)
Ursachen durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.) sowie
Gewerbegifte zu denken, daneben kommen endotoxische
(= Gifte die im Körper selbst entstehen)
(Porphyrie, Urämie) und evtl. infekt
iöse Ursachen
(Borreliose,
Ehrlichiose nach
Zeckenbiß bzw.
Zeckenstich)
in Frage.
Die Patienten klagen über
brenne
nde
Dauerschmerzen im
Versorgungsgebiet peripherer (= mehr
oberflächlicher)
Ner
ven,
Parästhesien
(= Fehlempfindungen),
Hyperästhesien
(= gesteigerte Empfindlichkeiten für Berührungsreize)
und
Hyperpathien (=
Überempfindlichkeiten gegenüber allen örtlichen Reizen mit erhöhter Reizschwelle),
Druckschmerzhaftigkeit von
Ner
ven und
Muskeln sowie evtl. über motorische
(= die Muskelfunktion betreffende)
Reizerscheinungen (Cram
pi) (Gerstenbrand
et Rumpl 1988). Charakteristisch sind socken- bzw.
hand
schuhförmige Sensibil
itätsstörungen
(= Störungen der Empfindlichkeit).
Die Behandlung dieser
neuropathische
n Schmerzen
erfolgt in erster Linie kausal, also der
Ursache entsprechend: bei Diabetes mellitus Optimierung der Zuckereinstellung,
bei
toxischer
(= durch Gifte entstandene)
Polyneuropathie
Verzicht auf „Nervengifte“ wie z.B. Alkohol.
Symptomatische (= auf die
Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie
der
Polyneuropathie:
Thioctsäure (alpha-Liponsäure) führt zu einer Reaktivierung
des Multienzymkomplexes und möglicherweise zur Bindung diabetischer Ketone.
Neurotrope Vitamine (=
„Nervenvitamine“): Die mehr oder
weniger hochdosierte Verabreichung neurotroper Vitamine ist bei
Polyneuropathien
allgemein üblich. Leider führt diese Therapiemaßnahme in den wenigsten Fällen zu
einer Verbesserung.
Analgetika
(=
Schmerzmittel):
Polyneuropathisch bedingte neuropathische Schmerzen sind in der Regel durch Schmerzmittel
nur schwerlich günstig zu beeinflussen. Am ehesten ist noch ein Effekt von
zentral wirksamen Analgetika (=
Schmerzmittel die im Rückenmark / Gehirn wirken)
zu erwarten. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, sicher wirksame Schmerzmedikamente zu empfehlen.
Gegen neuropathische Schmerzen wirken am besten die sog.
Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch gegen neuropathische Schmerzen hilfreich). Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B.
Tegretal®).
Eine Kombination aus Metamizol (z.B. Novalgin®) und
Chinin soll relativ zuverlässig schmerzlindernd sein. Ein Gemisch aus Uridin-
und Dinatriumsalze (Keltican®) kann versucht werden.
Wiederholte Ner
venblockaden: Die
wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit
einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) hat sich bei
Nervenschmerzen
sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der
Schmerzreizleitung gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer)
Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden
Gewebebereich resultiert, die jedem
entzündlich/degenerativen Prozeß
nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung z.B. bei
Poly
neuropathie
nicht nur symptomatisch, sondern auch kurativ
(= auf die Ursache ausgerichtet).
3)
Nervenschädigungen oder
Nervenstörungen infolge einer Virusinfektion liegen
bei der sog.
Post-Zoster-Neuralgie (postzosterische
Neuralgie,
postherpetische
Neuralgie) vor.
Vorausgegangen ist die
Herpes zoster
-Erkrankung, eine neurodermale
(=
Ner
ven
und Haut betreffende)
Infektionskrankheit. Der Erreger ist der
Her
pes-Varizellen-Virus.
Der Name
Zos
ter kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gürtel“ entsprechend der
gürtelförmigen Hautausbreitung am Körperstamm. Aus diesem Grund wird die
Krankheit auch als
Gürtelrose bezeichnet.
Der
Herpes zoster befällt
überwiegend die Nervensegmente der unteren
Brustwirbelsäule,
seltener den
Gesicht
s- bzw.
Kopf bereich (Zoster
ophthalmicus,
Zoster oticus).
Die
Herpes zoster-Erkrankung beginnt mit brennenden, juckenden
Nervenschmerzen im Bereich
der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen einher. Schon
die
Berüh
rung
der Haut im befallenen Bereich verursacht starke
Nervenschmerz
en (eine sog.
Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote
Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel
nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die
Schmerzen
wieder.
Wenn die neuropathische Schmerzen die Hauterscheinungen der
Gürtelrose überdauern, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine
Zoster-Neuralgie ((postzosterische
Neuralgie
(PZN)) übergegangen.
Der Schmerzcharakter bei der postzos
terischen
Neuralgie wird von den Patienten
uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend oder brennend, blitzartig
einschießend, stechend und brennend. Teilweise liegt auch eine Al
lodynie
(= Schmerzauslösung durch an sich nicht
schmerzhafte Reize, z.B. Kleidung)
vor.
Die Behandlung ist schwierig und sollte deshalb dem erfahrenen Schmerztherapeuten überlassen werden. Anhaltende neuropathische Schmerzen, erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren:
4)
Eine
Nervendurchtrennung z.B. im Rahmen einer
Ampu tation (durch Operation
oder Unfall) kann zu
Phantomschmerzen
(= Schmerzempfindung in einem Körperteil, der gar nicht mehr vorhanden ist)
führen. Ein
Phantomschmerz tritt meist unmittelbar nach
Amputationen auf.
Wir sehen jedoch immer wieder Fälle, bei denen sich
Phantomschmerzen
erst nach
Jahren, in Ausnahmefällen sogar erst nach Jahrzehnten, einstellten.
Die Angaben
zu Schmerzperiodizität und Schmerzqualität lassen kein einheitliches Muster
erkennen. Bei der Abfrage der Schmerzqualität dominieren Begriffe wie
"brennend", "schneidend" und "wie eingeklemmt". Überwiegend wird ein
attackenförmiger Schmerzverlauf angegeben, wobei die Attacken minuten- bis
tagelang dauern können. Bei fast allen Patienten mit einem
Phantomschmerz
liegt eine
klimatische Schmerzmodulation (=
Änderung des Schmerzzustandes) vor.
Bei Ampu tationen im Bereich der
unteren
Extremitäten
(= Beine)
stellen sich in der Regel später auch
behandlungsbedürftige Beschwerden an kontralateralen
(= gegenüberliegenden)
Gelenk
en und an der
Wirbelsäule
ein, bedingt durch unphysiologische (= unnatürliche)
Dauerbelastungen.
Besonders bei anfallsartigen, einschießenden Schmerzen sollten
zur
Schmerzbehandlung Antikonvulsiva (z.B. Carbamazepin, Gabapentin,
Pregabalin)
(= Mittel gegen das Anfallsleiden, aber auch
gegen diese Schmerzen wirksam)
versucht werden. Hin und wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen
(z.B. Lioresal®) (= Mittel zur Muskel
entspannung)
erfolgreich.
Unterstützend (selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich
schmerzdistanzierende
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen, aber auch gegen
neuropa
thische Sch
merzen hilfreich)
sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin (z.B. Ludiomil®) und Doxepin
(z.B. Aponal®).
Oftmals ist die
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika)
in Form von häufig
wiederholten Ner ven- und Leitungsbetäubungen sehr hilfreich.
5) Zent rale (= das Rückenmark / Gehirn betreffende) Störungen oder Schädigungen sind Ursache für neuropathische Schmerzen nach einer Querschnittslähmung und für den sog. Thalamusschmerz.
Über den
Mechanismus der Schmerzentstehung nach einer
Querschnittlähmung ist
wenig bekannt. Nach Thoden (1987) klagen 50% aller Patienten mit
verletzungsbedingten
Querschnittsläsion
en über störende Mißempfindungen
unterhalb der Verletzungsstelle. Immerhin 27% leiden unter einem
Nervenschmerz,
vorwiegend im Bereich der
Bein
e. Teilweise treten auch krampfartige,
viszerale Schmerzen
(=
Eingeweideschmerzen) im
Bauchraum
auf. Auch vom Verletzungssegment selbst können
Schmerzen ausgehen, die oft auf eine Instabilität zurückzuführen sind. Diese
Instabilität kann chirurgisch behoben werden.
Der Schmerzzustand nach einem
kompletten Querschnit t wird auch als
Deafferenzierungsschmerz
bezeichnet.
Zur
Behandlung von Schmerzen bei einer
Paraplegie
(= Lähmung der Be ine) kann die
kontinuierliche per idurale (= rückenmarknahe) Blockade
mit Katheter (= dünner
Kunststoffschlauch) hilfreich sein.
Die Einpflanzung des Katheters muß jedoch oberhalb des geschädigten Segments
erfolgen.
Bei Tet raplegie
(= Lähmung
der Be ine und
Arme) bedarf die
kontinuierliche Per iduralblockade oberhalb des geschädigten Segments wegen des
erhöhten Risikos einer strengen Indikationsstellung
(= Abwägung von Nutzen und Risiko).
Medikamentös können gegen neuropathische Schmerzen Carbamazepin, Pregabalin oder
Gabapentin (= Mittel gegen die Fallsucht, aber auch
gegen diese Schm
erzen wirksam),
Baclofen und schmerzdistanzierende Antidepressiva sowie
Neuroleptika
(= Mittel das auf die Psyche wirkt)
versucht werden. Gegen die unangenehme Spastik wirkt am besten Baclofen (z.B.
Lioresal®). Falls bei oraler (=
Tabletten-) Gabe die Nebenwirkungen
zu stark werden, kann die rückenmarknahe Verabreichung mittels eingepflanzter
Pumpe (oder Port) in Erwägung gezogen werden. Mittel der 2. Wahl ist Sirdalud.
Bei
Thalamusschmerzen
handelt es sich um ein sog.
zentrales
Schmerzsyndrom
(= das Gehirn betreffendes ..), ausgelöst durch Störungen oder Schädigungen in
schmerzkontrollierenden Arealen des zentralen Nervensystems (Tha lamus).
Hauptursache ist ein
Schlaganfall (Gehirnschlag,
apoplektischer Insult). Die
betroffenen Patienten klagen in der Regel über heftige Sch
merzen in der
herdgekreuzten Körperhälfte (Hemialgie). Die vorzugsweise brennenden
Dauerschmerzen können sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt eine Al lodyn ie (=
Auslösung von Schmerzen durch an
sich nicht schmerzhafte Reize) vor.
Fast regelmäßig besteht eine Hyperpat hie
(= verzögerte Reizantwort, die Schmerzen
halten über
Reizzeit hinaus an bei insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Bei der neurologischen Untersuchung
findet sich eine
Hemiparese
(=
Halbseitenlähmung) mit
meist guter Rückbildungstendenz. Motorische (= die
Muskelkraft betreffende) Störungen (Chorea (= sog.
Veitstanz), Athetose (= Haltungs-, Tonus- u. Bewegungsstörung)) kommen vor,
ebenso die sogenannte Thala mushand nach Pöck (die Finger sind im
Grundgelenk gebeugt und in den Interphalangealgelenken (=
Mittelgelenken) überstreckt, sie zeigen eine Bewegungsunruhe; die
Fehlstellung gleicht sich beim Auflegen der
Hand auf eine feste Unterlage aus)
und eine meist gering ausgeprägte Ataxie (= funktionelle
Störung der Bewegungsabläufe).
Der Nachweis der zugrunde liegenden
Störung oder Schädigung ist durch Computertomographie, Angiographie
(= Gefäßdarstellung mit Röntgenstrahlen)
und Kernspintomographie möglich.
Die Behandlung dieser Schmerzen ist selbst für den
erfahrenen Schmerztherapeuten eine große Herausforderung.
Medikamentös kann
Carbamazepin (z.B. Tegretal®) (= ein
Mittel gegen die Fallsucht, aber auch gegen diese Sch
merzen wirksam)
in aufsteigender Dosierung bis zu 1500mg /Tag versucht werden (Swerdlow
1984). Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®)
wirken oft besser. Phenytoin (z.B. Epanutin®) soll ebenfalls schmerzlindernd sein (Cantor
1972). Teilweise sahen wir auch mit Baclofen (z.B. Lioresal®)
(= ein im
Rücken
mark
/ Gehirn wirkendes Mittel zur Muskelentspannung)
eine günstige Wirkung. Ansonsten bleibt oft nur die Verschreibung von Opiaten.
Teilweise können aber mit der
therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
gegen neuropathische Schmerzen beachtliche Erfolge erzielt werden. Nach Austestung mittels diagnostischer
Blockaden (Betäubungen) werden im
Extremität enbereich
(= Ar me und Be ine)
wiederholte Ple xus
brachial is-, N. femoral is- und/oder
Ischias
blockaden
durchgeführt, oft sind sie längerfristig nur in der kontinuierlichen Form mit
Katheter (= eingepflanztem dünnem Kunststoffschlauch)
erfolgreich.
Bei Mitbeteiligung des Gesichtes kommen wiederholte Blockaden der
betroffenen Trigeminusäste in Frage.
Angesichts eines "zentralen Schmerzes"
(= Schmerzen, die im Rückenmark / Gehirn
entstehen) erscheint die Durchführung
von Nervenblockaden zugegebenermaßen paradox. Wir haben jedoch festgestellt, daß
bei ca. 40-50% der betroffenen Patienten diese Therapie tatsächlich anspricht
und zu einer Schmerzlinderung führt. Möglicherweise wird durch die zentrale
Läsion (= Störung/Schädigung)
teilweise ein peripheres (= mehr
oberflächliches)
Schmerzsyndrom
herbeigeführt, vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der Perzeption
(= Empfindung,Wahrnehmung) durch das
efferente sympathische System (=
weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem)
mehr oder weniger ausgeprägt aktiviert werden. Für eine Beteiligung des
sympathischen Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980)
und Nathan (1980), wonach Schmerzen in Ar me und
Be ine
nach einer
Störung/Schädigung des Zentralnervensystems
(= Rückenmark und Gehirn)
durch
Sympathikusblockaden (=
Betäubungen des unwillkürlichen Nervensystems) beseitigt oder gelindert werden können. Da die
Nervenstämme ((besonders Ple xus
brachial is (= Nervengeflecht des Armes)) auch
vegetative, sympat hische Fasern mit sich führen, kann eine solche Wirkung
postuliert werden.
In diesem Zusammenhang ist folgende Nachricht interessant, denn bisher ging man auch bei diesem Sch merz von einer zentralen (= im Gehirn oder Rückenmark) Schmerzentstehung aus: http://www.wissenschaft.de/wissen/news/266039.html).
Wenn neuropathische Schmerzen längerfristig bestehen, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Aktualisiert: 05.07.06 k u
A
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