POSTZOSTERISCHE NEURALGIE
PZN ist eine gebräuchliche Abkürzung für die postzosterische Neuralgie.
Als postzosterische Neuralgie (Zos ter-Neuralgie) werden Nervenschmerzen bezeichnet, die nach dem Abheilen einer Gürtelrose (Herpes zoster) verbleiben. In der Regel liegen Dauerschmerzen vor, manchmal mit anfallsartigen Schmerzverstärkungen. Genaugenommen erfüllt diese Schmerzkrankheit nicht die Kriterien einer echten Neuralgie.
Die
Gürtelrose
beginnt mit juckenden
Brennschmerzen im
Bereich der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen
einher. Schon die
Berührung der Haut
im befallenen Bereich verursacht einen starken
Schmerz (eine sog.
Allodynie). Einige Tage später bilden sich
Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog.
Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise
verschwinden dann auch die
Nervenschmerz
en wieder.
Hier gelangen Sie zu einer
Datei, in der die Behandlung der (akuten)
Gürtelrose
ausführlich beschrieben wird.
Wenn der
Schmerz die
Hauterscheinungen der
Gürtelrose
überdauert, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine
postzosterische Neuralgie
(PZN)
übergegangen.
Fünf bis zehn Prozent aller Patienten mit Gür
telrose entwickeln eine
postzosterische Neuralgie
(Loeser 1986). Eine postzosterische
Neuralgie
wird begünstigt durch Intensität und Ausmaß der akuten
Herpes zoster-Erkrankung,
Diabetes mellitus (=
Zuckerkrankheit), Lokalisation der
(häufiger nach
Herpes zoster ophthalmicus
(=
Gesichtsrose)
und vor allem das Alter der Patienten.
Die Inzidenz (=
Anzahl neuer Erkrankungsfälle) an
postzosterische
r
Neuralgie beträgt
20-60 Prozent bei den über 60jährigen (Struppler 1988).
Die postzosterische Neuralgie wird hinsichtlich des
Schmerzcharakters von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief
drückend oder brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Fast
regelmäßig besteht im Schmerzbereich eine Sensibilitätsstörung
(= Störung des körperlichen
Empfindens), so in Form einer
Hyperpathie
(= Sensibilitätsstörung als
Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen)
oder auch
Hyperalgie (=
herabgesetzte Schmerzschwelle) bis
hin zu einer
Allodynie
(= schon die
Berüh
rung der Haut im befallenen
Bereich führt zu Schmerzen).
Behandlung postzosterische n Neuralgie (PZN):
Beim Entstehungsmechanismus der
postzosterische
n
Neuralgie spielen sowohl zentrale
(= im Rückenmark)
als auch periphere
Nervenläsionen eine
Rolle. Dementsprechend werden verschiedene Therapiemaßnahmen, die zentral
oder/und peripher angreifen, unterschiedlich erfolgreich sein (Hefer mann
und Leser, 1992 ).
Eine postzosterische Neuralgie zu behandeln ist äußerst
schwierig und setzt große Erfahrung voraus. Dabei ist häufig eine gezielte
"Polypragmasie" (=
Durchführung mehrerer Maßnahmen gleichzeitig)
erforderlich. Die Patienten betreiben zum Teil einen
Schmerzmittelmissbrauch
oder sind gar bereits abhängig, so daß vorrangig eine
Entzugsbehandlung
erforderlich ist. Infolge des chronischen Schmerzes entwickeln sich öfters
psychische Veränderungen, so daß auch
psychotherapeutische Interventionen notwendig werden.
Eine systemische medikamentöse Therapie mit
Analgetika
(=
Schmerzmittel) nach dem WHO (= Weltgesundheitsorganisation)
-Stufenschema sollte zumindest ab Stufe 3 (z.B. Gabe von Morphin) erst dann
eingesetzt werden, wenn die Therapie mit
Psychopharmaka, Antiepileptika
(= Mittel gegen das
Anfallsleiden, aber auch gegen diese
Schmerzen wirksam)
und nichtmedikamentösen Verfahren, sowie perkutaner
(= durch die Haut hindurch)
Medikamentenanwendung ausgeschöpft wurde.
Antidepressiva (z.B. Doxepin, Maprotilin)
(= Mittel gegen Depression), evtl. auch in Kombination mit
Neuroleptika (z.B. Levomepromazin)
(= Mittel zur psychischen Behandlung, aber auch gegen einen
Schmerz wirksam),
verschaffen Patienten mit Zos
ter-
Neuralgie (postzosterische
Neuralgie) häufig Linderung. Wir bevorzugen Amitriptylin in
einer Tagesdosis von bis zu 75 mg, da es in Kombination mit Analgetika,
Antiepileptika und oder Neuroleptika stärker wirksam ist.
Gegen den Schmerz bei dieser
Neuralgie
(postzosterische) wirken am besten sog. Antiepileptika
(= eigentlich Mittel gegen die
Fallsucht, aber auch bei der postzosterische
n Neuralgie hilfreich).
Als erste Wahl gelten heute Gabapentin oder Pregabalin, als 2. Wahl
Carbamazepin.
Zur Wirkstoffeinsparung und damit Reduzierung der Nebenwirkungen kann mit
Baclofen (= ein
Mittel zur Muskelentspannung)
kombiniert werden. Manchmal ist auch die Verordnung von Keltican®
(= ein Mittel, das z.T.
Nervenschäden
reparieren kann) hilfreich.
Die postzosterische Neuralgie
(PZN) kann auch perkutan
(= durch die Haut
hindurch) medikamentös behandelt werden. Dazu eignet sich Acetylsalicylsäure
(= bekannt als
Aspirin®), wobei allerdings durch ASS
eine Ablösung der Hornschicht der Haut und bei Lösung in Chloroform dessen
Leber- und Nierengiftigkeit zu beachten ist (Zenz 1994).
Capsaicin, Inhaltsstoff des spanischen Pfeffers, als Creme (0,025-0,075%)
verabreicht, kann ebenfalls schmerzlindernd wirken. Allerdings tolerieren einige
Patienten nicht die mit der Anwendung verbundenen Hautreizungen und
vorübergehende Schmerzverstärkung.
Auch eine Iontophorese
(= Verabreichung von Wirkstoffen durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom)
mit Vincristin, ist zur Behandlung der postzosterische
n
Neuralgie geeignet, wenn die Gür
telrose nicht länger als 6 Monate
zurückliegt (Layman 1986).
Die postzosterische Neuralgie
(PZN) kann auch erfolgreich mit der
therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika)
behandelt werden. Manche Autoren behaupten, die Erfolgsrate sei abhängig
von dem Zeitpunkt des Beginnes der
Schmerztherapie
nach Ausbruch der Gür
telrose. Nach sechs Wochen (Hempel
1993) beziehungsweise 3 Monate (Zenz 1994) sei die
postzosterische Neuralgie (PZN) in den meisten Fällen
durch
Nervenblockaden
(=
Nervenbetäubungen)
nicht mehr günstig zu beeinflussen. Auch Loeser (1986) räumt der
therapeutischen Lokalanästhesie bei Patienten mit älterer postzosterische
r
Neuralgie kaum noch Nutzen ein.
Dem widersprechen aber zum Teil die Erfahrungen anderer Autoren. Auch
Hefermann und Leser (1992)
berichten über gute Erfolge mit
Nervenblockaden,
sofern diese konsequent durchgeführt werden.
Folgendes Vorgehen hat sich bei der postzosterische
n
Neuralgie (PZN) bewährt: Nach einer positiven,
schmerzlindernden Testblockade wird eine Serie von
Nervenblockade
n
mit einem lang wirksamen örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain in einer Konzentration von 0,25%) durchgeführt, wobei anzustreben
ist, die Folgeblockade immer dann anzusetzen, wenn die vorhergegangene eben
abgeklungen ist. Dazu bieten sich
kontinuierliche Verfahren mittels Kathetertechnik (= Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an den
betroffenen Nerv) an.
Im
Trigeminusbereich (postzosterische
Neuralgie im Gesich
t) wird der betroffene Ast (hpts. St
irn) am zugehörigen Austrittspunkt und
die dominante Schmerzregion mit einigen Millilitern eines
Lokalanästhetikum
s betäubt.
In den mittleren und unteren Halssegmenten kann der Plexus brachialis
(= Armnervengeflecht)
entweder wiederholt mit Spritzen, oder besser mit der
kontinuierlichen Technik
(= Einpflanzung eines dünnen
Kunststoffschlauch dicht an das Nervengeflecht)
betäubt werden. Die sog. retrograd hohe Variante erlaubt eine
Blockadeausbreitung bis hoch zu den Spinalwurzeln
(= aus dem Rückenmark stammende
Nervenwurzel
an der
Wirbelsäule).
Der interskalenäre
(= zwischen zwei Halsmuskeln)
Zugang ist mit einem etwas höheren methodischen Risiko verbunden.
Bei Zosterbefall der Segmente im Bereich
der
Brustwirbelsäule
sind
Interkostalblockaden
(= Betäubungen der
Zwischenrippennerven)
angebracht, unterhalb von Th 12 bieten sich
Periduralblockaden (=
Betäubungen nahe am
Rücken
mark)
mit Bupivacain (z.B. 0,125%) an. Sind die
Nerven
ischiadicus und / oder femoralis betroffen, können diese wiederholt mit Spritzen
oder auch kontinuierlich mit Katheter blockiert werden (Hefermann und
Leser, 1992).
Viele Autoren betonen, daß die postzosterische Neuralgie gut
auf
Sympathikusblockaden
(= Blockaden des sog.
autonomen, selbständigen Nervensystems)
(z.B. Auberger 1990, Hempel 1993) anspricht. Im
Gesicht
s- und
Armbereich erfolgen
dazu
Stellatumblockade
n (= Blockaden einer vegetative Schaltstelle im seitlichen
Halsbereich).
Hempel differenziert weiter und empfiehlt für die Trigeminusäste 1 und 2
(=
Stirn
,
Wange)
Blockaden des
Ganglion cervicale superius
(= eine weitere
vegetative Schaltstelle im oberen Halsbereich)
und weiter unten (3. Trigeminusast bis TH 4) des
Ganglion stellatum, wozu auch verdünnte
Opioidlösungen (=
morphinähnliche Lösungen) verwendet
werden können. Im
Brust - und
Lendenwirbelsäule
nbereich bieten sich Periduralblockaden
(= rückenmarknahe Blockaden)
und im
Kreuzbein bereich
Sakralanästhesien (=
ebenfalls eine rückenmarknahe Blockade, in Höhe des Kreuzbeines)
an.
Topische
(= eine örtliche,
oberflächlich wirkende)
Lokalanästhesie der betroffenen
Hautareale, zum Beispiel mit Lidocain-Spray oder Lidocain-Prilocain Creme, wird
bei der postzosterische
n
Neuralgie von verschiedenen Autoren eingesetzt (Milligan
1989). Bei abnehmender Wirkung im Behandlungsverlauf ist an eine Tachyphylaxie
(= Wirkungsabschwächung bei wiederholter Anwendung)
zu denken. Zudem können bei lokaler Anwendung zusammen mit Nervenblockaden
toxische (= giftige)
Lokalanästhetikakonzentrationen erreicht werden.
Neurolytische
(= nervenzerstörende)
Verfahren wie zum Beispiel epidurale
(= rückenmarknahe)
Einspritzung von Phenol (Neuendorf 1986) sollten die Ausnahme bleiben.
Die postzosterische Neuralgie (PZN) sollte
nicht chirurgisch oder chemisch destruktiv
(= zerstörend)
behandelt werden, da diese Eingriffe kaum zum Erfolg führen (Kossmann 1986),
beziehungsweise unbefriedigende Langzeitergebnisse bei hoher Komplikationsrate
aufweisen (Hankemeier 1988).
Bei den neurochirurgischen Verfahren sind periphere Neurektomien
(= operative Teilentfernung
eines
Ner
ven) und dorsale
Rhizotomien (=
chemische Unterbrechung der hinteren Wurzel des Rückenmarks)
von geringem Nutzen. Am effektivsten soll eine DREZ-Läsion (Läsion der
dorsal-root-entry-zone)
(= elektrische
"Verkochung"/Zerstörung der hinteren Schmerzeintrittzone am Rückenmark)
sein (Zenz 1994). Ansonsten
können eher elektrische Stimulationsverfahren am Rückenmark wie SCS (spinal
cord stimulation) gewählt werden.
Die Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) mit Klebeelektroden
sollte bei der Zos
ter-Neuralgie (postzosterische
Neuralgie) eigentlich immer versucht werden, teilweise läßt sich damit
eine zufriedenstellende Schmerzlinderung erreichen.
Akupunktur wird in der Literatur sehr unterschiedlich beurteilt. Nach
Zenz (1994) hat diese Therapie bei der postzosterische
n
Neuralgie keine bessere Wirkung als Placebo
(= Wirkstoff-freies
Scheinmedikament).
Wenn die postzosterische Neuralgie (PZN) längerfristig besteht, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Schmerzbehandlung kaum mehr ausreichend, sondern es muss im Rahmen von psychologisch /psychotherapeutische Interventionen auch eine spezielle Schmerzpsychotherapie erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
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Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).
Laut Bundesregierung (http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundhe itssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st) haben seit dem 1.4.2007 alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen und Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht darauf, in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden. Hier gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel). Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwei weitere Urteile, so vom Landessozialgericht Hamburg: http://www.schmerz.com/schmerze n/sozialgericht2 und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in nur 23 (!!) Tagen: www.schmerz.com/schmerze n/sozialgericht3.
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Aktualisiert: >31.01.2008</>
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